Kleine, geheime Hochzeit zu Zweit

Januar 2021. Die Koffer sind gepackt, die Wohnung leer. Wir fahren mit dem Auto, welches sie am Abend nach der Trauung auch noch verkaufen werden, über die leeren Landstraßen. Im CD-Player klemmt noch eine vergessene CD, Nick Cave and the Bad Seeds. Die letzte, die noch nicht in einer Lagerbox untergebracht wurde. Ja, dann spielt eben der Nick die Hochzeitsmusik. So langsam dämmert es ihnen und mir auch: gleich wird geheiratet. Last Minute, aber so richtig.

Vorgestern haben sie Bescheid bekommen: am Freitag könnten sie kurzfristig noch heiraten, draußen in Wilsdruff, die Standesbeamtin würde extra aufschließen. Nehmen wir, den Termin, sagten die beiden, denn am Montag, also drei Tage später, streichen sie die Segel und ziehen mit Sack und Pack nach Kanada. Kanada! Was für ein Abenteuer.

Nach der Trauung machen wir Stop an der Elbe. Eine Frau sitzt auf der Bank, eingehüllt in eine dicke Winterjacke. Nein, sagt Inga im gebrochenen Deutsch, sie ist nicht verheiratet. Nicht mehr. Die Braut wirft ihr den Strauß im hohen Bogen zu, Inga fängt, jubelt, verteilt russische Bonbons. Wir steigen wieder ins Auto und können nicht aufhören zu grinsen. Es sollte doch nur eine winzige, kurze Hochzeit werden. Ja und Tschüß. Wer hätte gedacht…

Ein letzter Stop im alten Zuhause. Einzig die alte Nachbarin hat es mitbekommen, das geheime Heiratshuschhusch, und bringt Sektgläser und einen Plattenspieler vorbei. Jetzt gibt’s Schostakowitsch. Walzermusik tönt durch die leere Wohnung, das Hochzeitspaar tanzt, die Nachbarin schunkelt. Alles schmeckt nach Abschied, Anfang, oder etwas süßem dazwischen.

 

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