Eine Herbsthochzeit auf Schloss Unsleben

In so einem kleinen Dorf bleibt einfach nichts unbemerkt. Schon am Morgen liegen auf der Schwelle des alten Hauses, in dem einst die Großeltern wohnten und wo sich heute das Hochzeitspaar zurecht macht, stapelweise Umschläge, beschriftet mit zierlichen Buchstaben: “Für das Brautpaar”, welches nicht einmal hier im Dorf wohnt; doch die alten Frauen erinnern sich noch gut an die Zeit, in der die Braut als kleines Mädchen hier im Ort und hinten auf den Feldern gespielt hat.


Als im Hier und jetzt zur Mittagsstunde die Kirchenglocken läuten und die weiße Hochzeits-Ente mit lautem Geschepper durch die Straßen fährt, lassen die Frauen des Dorfes den Braten einen Moment im Ofen, legen das Strickzeug beiseite und schalten den Fernseher aus, tauschen noch schnell Hausschlappen gegen feine Straßenschuhe und eilen nach draußen. Zum Glück fährt die Ente in Schrittgeschwindigkeit; so können sie ans Fenster klopfen, der jungen Frau gratulieren, die doch noch bis eben ein kleines Mädchen war. Ach, wie doch die Zeit vergeht: schneller jedenfalls, als eine Ente durch’s Dorf fahren kann, aber zum Glück langsam genug, dass ich diese Momente fotografieren kann, bevor sie verstreichen.

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