Kleine Oktoberhochzeit am Meer

Die einfachste Form der Zeitreise ist der Besuch der Hochzeit einer alten Schulfreundin. Es ist, als würde man in einem Fortsetzungsroman an den Punkt kommen, wo steht: and all was well. Alles war gut. Wie das letzte Kapitel von Harry Potter, nur dass im Hier und Jetzt alles weitergeht und noch etwas trubeliger wird, noch bunter, noch aufregender.

(“NOCH aufregender?!”, höre ich mein sechszehnjähriges Ich ausrufen. “GEHT ja gar nicht.” Irgendwo fällt krachend eine Tür ins Schloß.)

Tja. Teenagertagträume und Erwachsenenwelten mischen sich im Hochzeitstagkaleidoskop und ergeben ein Bild, dass sich keine Sechszehnjährige je hätte ausmalen können. Eine erfüllte Partnerschaft, ein Familienfest, umgeben von Neffen und Nichten, das eigene Kind unterwegs. Das Meer vor der Haustür. Ja, wer hätte gedacht, dass alles noch besser kommt, als man sich damals vorstellen konnte?

Schaut gerne zu, beim Tanz in der Dämmerung, beim Ja-Sagen und Kuchenessen. Der Schauplatz: nicht mehr Dresden, sondern Bad Doberan und Kühlungsborn. Die Figuren: ja, sind wir noch die selben wie damals? Irgendwie schon. Das Haar der Braut ist noch länger, meines ist noch kürzer. Und ich habe jetzt eine Kamera dabei. Und ja, ein Buch auch. Kekse? In meinem Fotorucksack.

Manche Dinge ändern sich eben nie.

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